Montag, 22. September 2008

Endlich Wochenende und wieder Zeit zu schreiben

Nach einer arbeitsreichen Woche in Addis mit dem einen oder anderen Kränkeln
zwischendrin, hatten wir heute einige Stunden frei und ich bin sichtlich
erholt. Aber nun mal von Vorne: Wir haben in den vergangenen Tagen viel mit
den Studenten über die Probleme hier gesprochen, Texte zu ihren Arbeiten
gelesen, uns den Stand ihrer Masterarbeiten präsentieren lassen, praktische
Unterstützung beim Umgang mit der Software geleistet, etliche Viren
vernichtet, Termine in Organsisationen wahrgenommen und neue Ideen und
Methoden an den Mann gebracht (von den beiden Frauen ist tatsächlich noch
keine aufgetaucht). In Anbetracht der Abwesenheit der bei uns üblichen
Betreuung wird unsere Hilfe mit offenen Armen angenommen. Einen Studenten
mussten wir heute jedoch etwas bremsen. Er hat von Martin erwartet, dass er
morgen (Sonntag!!!) einen komplett leeren Rechner einrichtet. Als wir ihm
mitteilten, dass morgen unserer (einziger) freier Tag ist, meinte er, ein
halber freier Tag muss uns doch reichen...Mal abgesehen, dass es
Zeitverschwendung ist, sich nur um diesen Rechner zu kümmern, weil der ja
quasi nur einmal die Stunde ein paar Clicks braucht und dann rödelt, ist das
ganz schön unverschämt. Nach etlichem Hin und Her, treffen wir den Studenten
Montag vor der Uni, wo Bernd (der Prof und Chef) seinen Desktop-Rechner in
die Uni mitnimmt. Der Student würde ihn nicht wieder raus kriegen. Mal sehen
ob Bernd das schafft.

Unsere Mittagszeit verbringen wir meist in der Nähe der Uni. Abends gehen
wir dann auswärts essen. Seit dem ich gestern zum Frühstück Cornflakes
bestellt hatte (und krass süße Vanillepops bekommen habe), kämpfe ich etwas
mit meinem Magen, vermutlich die Milch... Ansonsten plagen mich etwa 50
Bisse oder Stiche. Die Jucken so bestialisch, dass ich mir in der Apotheke
eine Salbe besorgt habe. Nach dem ersten Auftragen habe ich dann mal den
Beipackzettel gelesen, wo irgendwas von Typhus, Steptokokken und Coli
Bakterien stand. Etwas besorgt, dass der Apotheker mich missverstanden hat,
bin ich mit Melak (einem Studenten) nochmal hin. Der Apotheker schien etwas
genervt und meinte ich müsse das schon zwei drei Tage auftragen. Irgendwie
wirkt es. Und dank diverser Repellents, kriege ich auch nicht mehr so viele
neue Stiche.

Letztens (ich glaube Donnerstag) wurden wir beim Abendessen von einem großen
Unwetter überrascht, was es uns unmöglich machte, die 500m zum Hotel zu Fuß
zurückzulegen. Stromausfall war natürlich auch... Bernd hatte uns nach der
Überwindung einiger Pfützen vor der Tür des Restaurants ein Taxi
organisiert. Als Martin hinten einstieg, bemerkten wir, dass da kein Platz
mehr für mich war, weil schon jemand im Taxi saß. Kurzerhand musste ich also
vorne auf Bernds Schloss Platz nehmen. Seitlich irgendwie schräg und mit
einer Wange zumindest recht dicht an der völlig beschlagenen Scheibe wurden
wir so mehr oder weniger trocken an unseren Bestimmungsort gebracht.

Abends habe ich viel Zeit mit Bernd, der ja auch mein Betreuer ist, über
meine Diss zu sprechen. Langsam kommen da auch kleine Fragestellungen zum
Vorschein :) Ärgere mich richtig, dass ich die ganze Literatur in Addis
gelassen habe. So manches könnte ich jetzt schon gebrauchen.

Martin hat heute mal wieder ein paar Fotos gemacht. Mal sehen, was er so
raussucht für Euch :) Eines habe ich mir jedoch gewünscht! Ein Radfahrer,
der mit einem Schaf auf dem Rücken (!!!) durch Bahir Dar fuhr. Super
geschaltet, Martin!

Morgen wollen wir ein wenig zu Fuß den schönen Weg entlang des Tanasees
erkunden. Mal schauen, wie weit wir kommen, bevor die Herren wieder was
futtern müssen. Die könnten beide die ganze Zeit essen, unglaublich.

Nächste Woche haben wir noch bis Mittwoch Programm, dann auch mit den
Angestellten/Lehrkräften der Uni. Donnerstag geht es dann morgens schon nach
Addis, dann gibt es natürlich noch Termine und abends fliegen wir los nach
Hause,wo wir Freitag morgen ankommen. Dann sind drei einhalb Wochen schon
wieder um...

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